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Ziemlich grimmig nehme ich mein Buch wieder auf, obwohl ich ohnehin nichts von dem verstehe, was ich lese. Die Zeit vergeht. Noch immer ist von Georg nichts zu sehen. Könnte er nicht wenigstens anrufen, wenn er mich so lange allein lässt? Es ist bereits gleich fünf; er ist fast drei Stunden weg. Aber Sklavinnen haben ja nichts zu sagen – Sklavinnen haben nur zu gehorchen, und wenn ihr Befehl lautet zu warten, müssen Sklavinnen eben warten.

Eigentlich würde ich mich ja nicht unbedingt als Sklavin bezeichnen. Bevor ich Carola und Sonja kennengelernt habe, zwei Mit-Studentinnen von mir, und zwar Studentinnen im selben Semester, die beide Sklavinnen Telefonsex machen, um sich das Studium zu finanzieren, wusste ich nicht einmal so genau, was das eigentlich ist, Sklavinnen. Die beiden sind echte submissive Telefonsex Sklavinnen. Wann immer ein Anrufer Lust auf eine devote Telefonsklavin hat, kann er anrufen und sich eine der Telefonsexsklavinnen für die Telefonerziehung aussuchen.

Eine der Telefonsex Sklavinnen für jedermann zu sein, kann ich mir anders als Carola und Sonja für mich nicht feststellen. Ich bin für das Hobby der Telefonsex Sklavinnen einfach nicht geschaffen – ich kann nur einem Meister dienen, und ich mag die Live Erziehung auch lieber als die Telefonerziehung. Aber diesen tiefen, innigen Wunsch, devot zu sein, gehorsam und demütig, mich einem Mann zutiefst auszuliefern. Und das ist es, so haben die beiden mir erklärt, was Sklavinnen auszeichnet. Deshalb habe ich jetzt wenigstens einen Namen für das, was ich empfinde. Manchmal allerdings verfluche ich die Situation der Sklavinnen und bin bloß noch widerspenstig und bockig. Jetzt zum Beispiel. Ich hasse es zu warten!

Auch Sklavinnen warten nicht gerne; sie tun es nur, weil ihr Herr es ihnen befohlen hat. Bis sechs Uhr habe ich noch immer nichts von Georg, meinem Herrn gehört, und meine schlechte Laune hat sich von einem lauen Windchen in einen Sturm verwandelt. Endlich klingelt das Telefon wieder. Es ist aber nur ein von einer technischen Stimme vorgelesenes SMS, ich möge doch bitte mein Handy einschalten. Wenigstens erkenne ich die Nummer, die mir als Absender mitgeteilt wird, als die von Georgs Handy.

Auf meinem Handy wartet schon ein weiteres SMS. Ich möge bitte mein "Kettenhemd" anziehen, einen Mantel darüber, ein Tuch bereitlegen und auf meine Entführung warten. Nicht umdrehen darf ich mich dabei, lautet die letzte Anweisung. Kettenhemd, so nennen wir eine Art Brustharness, der fast nur aus Ketten besteht. Zwei der Kettenglieder sind groß genug, meine Nippel zu umschließen..

Das klingt immerhin nach einem aufregenden Abend. Was er sich da wohl wieder ausgedacht hat? Immerhin – bestimmt haben nicht alle Sklavinnen einen so fantasievollen Herrn wie ich. Oder ob Carola und Sonja als Telefonsex Sklavinnen auch solche interessanten Befehle erhalten?

Aber viel wichtiger ist eine andere Frage. Sklavinnen dürfen ja nur tun, was sie gesagt bekommen. Darf ich jetzt auch Strümpfe und Schuhe anziehen, oder ist das verboten? Und wie ist das mit einem Höschen? Soll ich mir vielleicht den Tod holen und auf diese drei Dinge verzichten? Strafe muss sein, für einen Herrn, der seinen Sklavinnen, ob Telefonsex Sklavinnen oder Live Sklavinnen, keine korrekten Vorgaben macht, denke ich mir, und wähle halterlose Strümpfe und die Pumps mit den höheren Absätzen. Wer keine vollständigen Anweisungen gibt, muss damit rechnen, bewusst missverstanden zu werden. Auch ein Höschen anzuziehen, wage ich allerdings nicht – mein Schritt hat für meinen Herrn immer offen und erreichbar zu sein, so gehört sich das für Sklavinnen.

Die Ketten sind kühl auf meiner Haut. Das Teil selbst zu schließen, auf dem Rücken, ist gar nicht so einfach; trotzdem ich es zwischendurch ab und zu geübt habe. Jetzt noch ein Tuch auswählen und den Mantel holen. Ja, so sind brave, gehorsame Sklavinnen – sie tun alles, was ihr Herr ihnen sagt. Sofern er darauf achtet, ihnen keine Lücke für den eigenen Willen zu lassen ...

Ziemlich aufgeregt sitze ich kerzengerade auf einem Sessel, mit dem Rücken zur Wohnzimmertür; sonst wäre der Befehl ja witzlos, mich nicht umzudrehen. Lange dauert es sicher nicht, bis Georg auftaucht; er weiß, wie sehr ich es hasse zu warten. Oder ob das wieder auch ein Geduldsspiel wird? Manchmal ist er genau dazu in der Stimmung, mich auf etwas warten zu lassen, das er angekündigt hat, oder mich zu streicheln, zu küssen, bis ich die letzte Runde erreicht habe, kurz vor dem Orgasmus stehe, und dann innezuhalten, während ich rasend werde.

Aber heute Abend scheint es um etwas anderes zu gehen. Tatsächlich dauert es gar nicht mehr lange, und ich höre schon die Haustür, Georgs Schritte. Wortlos halte ich ihm über die Schulter das Tuch hin. Lachend nimmt er es, legt es mir als Augenbinde um den Kopf, küsst mich auf den Hals. "Einen kleinen Moment, meine süße kleine Sklavin – ich hole schnell noch etwas." Wahrscheinlich sind es die Fesseln, die Klammern und die Schlaginstrumente, die er für seine "süße kleine Sklavin" holt. Danach nimmt er mich am Arm und führt mich aus der Wohnung.

Schon auf dem Weg zum Auto bereue ich, mir keine bequemen, flachen Schuhe herausgesucht zu haben. Es ist mehr ein Stolpern als ein Gehen, was ich veranstalte. Dasselbe gilt für den Weg nachher, als wir nach einer nicht sehr langen Autofahrt angehalten haben. Das Herz klopft mir bis zum Hals. Ich bin gespannt und furchtsam zugleich, zerbreche mit den Kopf, welches dominant-devote Spiel er gerade mit mir spielt.

Ein Aufzug ist unser erster Zwischenstopp. Wo sind wir? Ist das eine Tiefgarage? Das letzte Stück Weg kam mir ebenso bekannt vor wie das Geräusch beim Öffnen und Schließen der Lifttür, aber man täuscht sich da leicht. Eine Tiefgarage ist wie die andere, und dasselbe gilt für Aufzüge. Über einen kleinen Flur geht es in eine Tür hinein, zu der Georg einen Schlüssel hat. Georg dirigiert mich ein Stück geradeaus, nach rechts, wieder geradeaus, bittet mich, stehen zu bleiben. Er nimmt mir den Mantel ab.

Danach führt er mich zu etwas, das weich ist wie ein Bett, auf dem er mich zum Sitzen bringt. Sanft drückt er meinen Rücken nach unten, kniet neben mir. Wie erwartet schließen die Fesseln sich um meine Handgelenke, eine Kette klirrt, und schon bin ich in dieser Haltung auf dem Bett arretiert. Doch das war noch nicht alles; als nächstes fängt er meine Fußgelenke ein. Schwarzes Leder bildet einen Kreis über den schwarzen, hochhackigen Schuhen. Eine weitere Kette fixiert meine Beine weit auseinander rechts und links, wahrscheinlich an den Füßen des Bettes, wie oben die Handgelenke. Halb sitzend, halb liegend bin ich nun bewegungslos gefesselt.

Bewegungslos – und ohne etwas sehen zu können. Eine Hand gleitet über meinen Bauch, meine Arme. So überraschend schließen sich kurz darauf ...

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